Einleitung
Cem Arslan programmierte die erste Version seines Lernkartensystems neben einem Wäscheständer. Auf dem Boden lagen Bauklötze, im Babyfon rauschte ein Mittagsschlaf, und sein Laptop meldete, der Akku sei fast leer. Er hatte nur ein kleines Zeitfenster.
Cem lebt in Nürnberg, ist Hausmann von Zwillingen und entwickelt heute KI-Unterrichtsmaterialien für Familien und Grundschulen. Care-Arbeit ist für ihn kein Loch im Lebenslauf, sondern sein genauester Beobachtungsraum.
Geschichte des Weges in die KI
Nach der Geburt der Kinder blieb Cem zu Hause. Außen klang das nach Pause, innen war es Planung, Müdigkeit und ständiges Reagieren. Beim Helfen mit Hausaufgaben in der Nachbarschaft bemerkte er, wie viele Lernangebote entweder zu trocken waren oder Kinder allein vor einen Bildschirm setzten.
Er wollte KI nicht als Ersatzlehrer. Sie sollte Eltern Fragen an die Hand geben, die sie auch ohne Fachvokabular stellen können. Technisch lernte Cem in kurzen Fenstern: Prompting am Abend, einfache App-Logik am Wochenende, Didaktik über Gespräche mit Lehrkräften. Sein erstes Projekt war ein Lernkartensystem für Sachkunde. Es formulierte Fragen in drei Schwierigkeitsstufen und gab Erwachsenen Hinweise, wann sie nachfragen statt korrigieren sollten. Bei den ersten Tests war die KI zu eifrig: Sie erklärte alles auf einmal und nahm dem Kind die Entdeckung weg. Cem kürzte die Antworten radikal.
Aktuelle Arbeit
Heute erstellt Cem Materialien für Elternvereine und Schulen. In einem Lesetraining lässt er die KI nicht benoten. Sie schlägt Gesprächsimpulse vor: Was könnte die Figur fühlen? Welches Wort ist unklar? Wo steht der Hinweis im Text? Erwachsene bleiben Teil des Lernens, auch wenn sie sich selbst unsicher fühlen.
Der Erfolg zeigt sich klein: weniger Streit bei Hausaufgaben, mehr Fragen, weniger Beschämung. Cem betont Grenzen. Lern-KI darf Eltern nicht kontrollieren, Kinder nicht vermessen und Lehrkräfte nicht mit scheinbar objektiven Profilen überfrachten.
Persönlicher Rat
„Baue für den Küchentisch, nicht für die perfekte Präsentation“, sagt Cem. Wer Bildungs-KI entwickelt, sollte Lärm, Müdigkeit und ungleiche Vorkenntnisse einplanen. Dort entscheidet sich, ob ein Werkzeug wirklich hilft.
Schlüsselfakten
Alter und Ort: 32, Nürnberg.
Hintergrund: Hausmann, Zwillinge, Care-Arbeit als Ausgangspunkt.
Einstieg in KI: Lernkartensystem mit Fragen in mehreren Schwierigkeitsstufen.
Schwerpunkt heute: Familiennahe Bildungs-KI.
Typische Werkzeuge: Sprachmodelle, Lernkarten, einfache App-Prototypen.
Werkstattnotiz
Cem testet neue Materialien häufig, während im Hintergrund etwas Unpassendes passiert: ein Kind ruft, Essen kocht über, jemand versteht die Aufgabe falsch. Diese Störungen sind Absicht. Ein Tool, das nur in stillen Räumen funktioniert, taugt für viele Familien nicht. Manchmal ist der Abbruch der bessere Test als die fertige Übung.