Karla Mendes, 49, ehemalige Haushaltshilfe und Koordinatorin einer KI-Bildungsinitiative

Einleitung

Karla Mendes brachte früher Putzmittel, Ersatzschlüssel und einen Kalender mit, in dem ihre Arbeitstage enger standen als die meisten Arbeitsverträge, die sie je gesehen hatte. Digitale Geräte tauchten in diesen Haushalten ständig auf: Kameras an der Tür, Apps für Dienstpläne, Bewertungssterne nach einem langen Vormittag.

In Wien koordiniert Karla heute eine Bildungsinitiative für Frauen in Care- und Haushaltsarbeit. Ihr Thema ist KI, aber sie beginnt selten mit dem Wort selbst. Sie beginnt mit Lohnzetteln, Nachrichten von Arbeitgebern und der Frage, welche Daten jemand unfreiwillig hinterlässt.

Geschichte des Weges in die KI

Der Auslöser war eine Kollegin, deren Arbeitszeiten über eine App kontrolliert wurden, ohne dass sie verstand, welche Informationen gespeichert waren. Karla wollte zuerst nur helfen, die Oberfläche zu lesen. Dann merkte sie, dass viele Frauen KI und Automatisierung vor allem als Überwachung kennenlernten.

Sie war keine Trainerin und hatte wenig formale Ausbildung. In den ersten Kursen sprach sie zu schnell, weil sie beweisen wollte, dass sie kompetent war. Ein Sprachmodell half ihr zwar beim Vereinfachen von Vertragsbegriffen, erfand aber bei einer Frage zur Kündigung eine Sicherheit, die dort nicht hingehörte. Seitdem steht auf jeder ihrer Unterlagen: Vorbereitung ist keine Beratung.

Aktuelle Arbeit

Heute entwickelt Karla Workshops, in denen Teilnehmerinnen Arbeitsverträge, Dienstpläne und digitale Bewertungsprozesse prüfen. Eine Übung läuft fast immer gleich ab: Erst formulieren die Frauen ihre Fragen selbst, dann lassen sie ein System erklären, danach vergleichen sie die Antwort mit Informationen einer Beratungsstelle.

Das Ergebnis sind keine spektakulären Fallzahlen. Wichtiger ist, dass Gespräche mit Arbeitgebern klarer werden und dass Frauen technische Systeme nicht mehr nur als fremde Kontrolle erleben. Karla bleibt vorsichtig: KI kann Sprache sortieren, aber Machtverhältnisse verschwinden dadurch nicht.

Persönlicher Rat

„Ein Tool hilft erst, wenn du ohne Angst widersprechen kannst“, sagt Karla. Sie meint damit nicht großen Protest, sondern kleine Sätze: Welche Daten werden gespeichert? Wer kann sie sehen? Wo ist die menschliche Ansprechperson? Für viele ihrer Teilnehmerinnen beginnt digitale Selbstverteidigung mit solchen Fragen.

Schlüsselfakten

Alter und Ort: 49, Wien.
Hintergrund: Haushaltsarbeit, Migrationserfahrung, informelle Bildung.
Einstieg in KI: Kurse zu Arbeitsverträgen, App-Kontrolle und sicheren Rückfragen.
Schwerpunkt heute: KI-Bildung für Care- und Haushaltsarbeiterinnen.
Typische Werkzeuge: Übersetzungshilfen, Vertragsanalyse, Datenschutzübungen.

Werkstattnotiz

Auf Karlas Flipchart steht oft derselbe Satz, aber nie als Parole: „Wer profitiert von der Automatik?“ Daneben kleben echte, anonymisierte Nachrichtenausschnitte. Ein System übersetzte einmal einen höflichen Zweifel in eine harsche Forderung. Seitdem übt Karla Tonlagen genauso sorgfältig wie Begriffe. Die falsche Formulierung kann ein Arbeitsverhältnis kippen.