Einleitung
Manuel Prado sah die erste Bildserie, die seine Agentur mit KI erzeugt hatte, auf einem geteilten Bildschirm. Glänzende Tassen, freundliches Morgenlicht, perfekte Hände. Nur passte nichts davon zu dem kleinen Café, das seit Jahren mit krummen Holzstühlen und einer mürrischen Stammkundschaft lebte. Eine Woche später war Manuel freigestellt.
Heute berät er in München Designerinnen und kleine Betriebe beim Einsatz generativer Werkzeuge. Er spricht selten begeistert über Bilder auf Knopfdruck. Eher über Briefings, Rechte, Geschmack und die leere Stelle, die entsteht, wenn ein Motiv schön aussieht, aber niemanden kennt.
Geschichte des Weges in die KI
Am Anfang war Manuel wütend. Er hatte Jahrzehnte mit Layout, Markenarbeit und Kundengesprächen verbracht, plötzlich erklärten ihm jüngere Projektleiter, ein Tool könne Varianten schneller liefern. Das stimmte teilweise. Es verschwieg nur, was Varianten ohne Richtung wert sind.
Er begann, die Systeme gegen seine eigene Kränkung zu testen. Was passiert bei unklaren Briefings? Welche Klischees tauchen bei bestimmten Branchen auf? Wo verletzen Trainingsdaten Rechte oder Geschmack? Manuel lernte Prompting, Modellgrenzen und Lizenzprüfung. Sein erstes Workshop-Format zwang Unternehmen, Zielgruppe, Ton, Ausschlusskriterien und Bildherkunft zu klären, bevor ein Generator geöffnet wurde. Beim Probelauf produzierte das Modell ein Logo, das beinahe wie das eines regionalen Konkurrenten aussah. Danach kam eine Recherchestufe vor jede Präsentation.
Aktuelle Arbeit
Manuel arbeitet heute mit kleinen Agenturen, Vereinen und Solo-Selbstständigen. Für ein Nachbarschaftscafé stoppte er eine Bildkampagne, weil sie zwar ästhetisch sauber war, aber wie eine anonyme Hotelkette wirkte. Erst Gespräche mit Stammgästen brachten brauchbare Motive: ein beschädigter Fliesenrand, die rote Jacke der Betreiberin, der Hund vor der Tür.
Sein Beitrag spart Zeit, doch nicht an der Stelle, die viele erwarten. Die KI darf Varianten erzeugen; die eigentliche Arbeit liegt davor und danach. Manuel hilft Teams, Entscheidungen zu begründen, Quellen zu prüfen und die eigene Idee nicht von polierten Zufällen überreden zu lassen.
Persönlicher Rat
„Wenn du keine Idee hast, beschleunigt KI nur die Leere“, sagt Manuel. Wer generative Gestaltung nutzt, sollte zuerst wissen, was nicht entstehen darf. Ausschlüsse sind manchmal klarer als Wünsche.
Schlüsselfakten
Alter und Ort: 51, München.
Hintergrund: Entlassung, Grafikdesign, Altersdruck in Agenturen.
Einstieg in KI: Workshop zu Briefing, Ausschlusskriterien und Bildgeneratoren.
Schwerpunkt heute: verantwortliche generative Gestaltung.
Typische Werkzeuge: Bildmodelle, Rechteprüfung, Markenbriefings.
Werkstattnotiz
Manuel führt eine Liste mit Motiven, die sofort gefallen und schnell wieder verschwinden. Zu viele Sonnenreflexe, zu perfekte Küchen, Gesichter ohne Erinnerung. Neben manchen Einträgen steht nur: „hat nichts falsch gemacht“. Für ihn ist das oft das Problem. Ein Bild ohne Fehler kann trotzdem keinen Ort haben.