Mykola Senk, 44, geflüchteter Unternehmer und KI-Logistiker

Einleitung

Im Hof einer provisorischen Lagerhalle standen Paletten mit Windeln neben Kisten voller Kabeltrommeln. Auf einem Zettel klebte Regenwasser, die Handschrift verlief, und Mykola Senk strich mit dem Daumen über eine Spalte, in der „dringend“ stand. Für ein Modell war das nur ein schlecht gepflegtes Feld. Für ihn war es der Unterschied zwischen einer passenden Lieferung und einem Transport, der zu spät kommt.

Mykola lebt zwischen Berlin und Warschau und arbeitet heute als KI-Logistiker für kleine Hilfsstrukturen und Firmen, die mit instabilen Lieferketten umgehen müssen.

Geschichte des Weges in die KI

Vor der Flucht hatte Mykola ein kleines Handelsunternehmen geführt. Als ein Lager beschädigt wurde und vertraute Routen nicht mehr verlässlich waren, begann er, Hilfsgüter zu koordinieren: Medikamente, Batterien, Schlafsäcke, später auch Ersatzteile. Die Tabellen wurden täglich unbrauchbar. Manche Bestände existierten nur auf Fotos, manche Zusagen verschwanden nach einem Grenzstau.

Er lernte Optimierung nicht aus akademischer Neugier, sondern weil reine Improvisation Menschen erschöpft. In einem Onlinekurs verstand er, wie Priorisierung, Unsicherheit und Risiko modelliert werden können. Das erste System sortierte Güter nach Haltbarkeit, Dringlichkeit und Transportfenster. Gleich am Anfang schlug es vor, Heizgeräte vor Verbandsmaterial zu liefern, weil die Gewichte falsch eingetragen waren. Mykola baute danach eine Pflichtprüfung für ungewöhnliche Kombinationen ein.

Aktuelle Arbeit

Heute berät er Hilfsorganisationen und kleine Logistikbetriebe. Bei einer Lieferung medizinischer Geräte zeigte sein Modell mehrere Routen mit ähnlichen Werten. Mykola rief einen Fahrer an, der eine der Strecken kannte, und entschied sich für die langsamere Variante. Die Software hatte Grenzwartezeiten gesehen, aber nicht die nervöse Stimmung an einem Umschlagplatz.

Sein Nutzen liegt in robusteren Entscheidungen, nicht in perfekter Planung. Teams sortieren schneller, welche Daten fehlen, wo menschliche Kontakte nötig sind und wann ein Vorschlag nur mathematisch ordentlich aussieht. Mykola hält jede Entscheidung nachvollziehbar, weil in Krisen niemand Zeit hat, einem schwarzen Kasten nachträglich Glauben zu schenken.

Persönlicher Rat

„In unsicheren Lagen muss ein System zuerst zugeben, was es nicht weiß“, sagt Mykola. Wer KI in Logistik einsetzen will, sollte die schönste Route immer gegen Funklöcher, Müdigkeit, lokale Regeln und Bauchgrummeln erfahrener Fahrer prüfen.

Schlüsselfakten

Alter und Ort: 44, Berlin und Warschau.
Hintergrund: Flucht, Handelsunternehmen, humanitäre Koordination.
Einstieg in KI: Priorisierungssystem für Hilfsgüter mit unsicheren Lagerdaten.
Schwerpunkt heute: KI-gestützte Planung unter instabilen Bedingungen.
Typische Werkzeuge: Optimierungsmodelle, Risikobewertung, Lieferkettenanalyse.

Werkstattnotiz

Mykola markiert Datensätze, in denen zu viele Felder ordentlich aussehen. In einer Krise ist Sauberkeit manchmal ein Warnsignal: Jemand hat geraten, geglättet oder die Lücke nicht benannt. Sein roter Ordner enthält Fälle, in denen ein fehlender Anruf mehr wert war als eine zusätzliche Modellschicht.