Einleitung
Oksana Lewen hielt den Zettel mit dem Termin so fest, dass die Kante einen Knick bekam. Drei Wörter verstand sie, zwei glaubte sie zu verstehen, bei einem war sie sich sicher und lag falsch. Später sagte sie, dieser Irrtum habe ihr mehr über Sprache beigebracht als ein ganzer Grammatikblock.
Heute lebt Oksana in Zürich und arbeitet als Sprachcoach für Erwachsene, die nach Flucht oder Migration in Behördenbriefen, Kursen und Alltagssprache wieder handlungsfähig werden wollen. KI ist für sie Übungspartner, Wörterbuch und manchmal ein störrisches Gegenüber.
Geschichte des Weges in die KI
Oksana hatte früher Literatur unterrichtet. In der Schweiz musste sie selbst wieder Anfängerin sein: Dialekt, Formulare, Anerkennungswege, höfliche Sätze mit harten Folgen. Ein Sprachmodell half ihr, Begriffe zu erklären und Rollenspiele vorzubereiten. Dann machte es einen typischen Fehler: Es übersetzte eine Terminbestätigung so, als sei sie eine dringende Vorladung.
Statt das Tool wegzulegen, baute Oksana daraus Unterrichtsmaterial. Sie verglich automatische Übersetzungen mit echter Alltagssprache, sammelte missverständliche Floskeln und übte mit Lernenden, wann man nachfragen darf. Ihr erster Kurs bestand aus kleinen Szenen: Mietvertrag, Krankenkasse, Elterngespräch, Kursanmeldung. Zu jeder Szene gehörte eine rote Markierung: Hier darf KI nur vorbereiten.
Aktuelle Arbeit
Oksana arbeitet heute in einem Integrationsprogramm und entwickelt Lernpfade für Erwachsene mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen. Bei einer Übung zum Mietvertrag lässt sie die Gruppe zuerst eigene Fragen sammeln. Danach liefert die KI Vorschläge, die gemeinsam sortiert werden: verständlich, unklar, gefährlich verkürzt.
Der Fortschritt ist selten dramatisch. Menschen stellen früher Rückfragen, bringen Unterlagen geordneter mit und wirken in Gesprächen weniger ausgeliefert. Oksana bleibt vorsichtig, besonders bei Recht, Gesundheit und Fristen. Jede automatische Erklärung braucht einen Weg zu einer zuständigen Person.
Persönlicher Rat
„Eine Übersetzung ist noch keine Orientierung“, sagt Oksana. Wer KI zum Sprachenlernen nutzt, sollte nicht nur Wörter austauschen, sondern Situationen verstehen: Wer spricht, mit welcher Macht, und was passiert, wenn man schweigt?
Schlüsselfakten
Alter und Ort: 45, Zürich.
Hintergrund: Flucht, frühere Lehrtätigkeit, beruflicher Wiederaufbau.
Einstieg in KI: Rollenspiele und Erklärungen für Behörden- und Alltagssprache.
Schwerpunkt heute: Integration, Sprachlernen und sichere Vorbereitung.
Typische Werkzeuge: Sprachmodelle, Übersetzungsvergleich, Rollenspiel-Prompts.
Werkstattnotiz
Oksana hebt falsch übersetzte Wörter auf, weil sie oft die eigentlichen Schwellen zeigen. Neben „Termin“ stehen bei ihr Pfeile zu Pflicht, Einladung, Frist und Angst. Ihr nächster Test gilt Dialektformulierungen, die freundlich klingen und trotzdem verbindlich sind. Das Modell glättet solche Sätze noch zu gern in eine Sprache, die niemand am Schalter benutzt.