Robert Wenzel, 76, pensionierter Pfarrer und Moderator für KI-Ethik

Einleitung

Im Gemeindesaal roch es nach Kaffee und nassen Mänteln, als jemand Robert Wenzel fragte, ob ein Chatbot Trost spenden könne. Die Frage klang modern, aber der Raum wurde sofort still. Alle wussten, dass es eigentlich um Einsamkeit, Trauer und Verantwortung ging.

Robert lebt in Salzburg und moderiert heute Gespräche über KI in Pflege, Beratung und Seelsorge. Er ist pensionierter Pfarrer und nähert sich Technik nicht ängstlich, aber mit einer langen Erinnerung an menschliche Verletzlichkeit.

Geschichte des Weges in die KI

Zuerst war Robert irritiert. Ein Programm, das auf Trauer antwortet, wirkte auf ihn wie eine Grenzverletzung. Dann merkte er, dass Ablehnung allein zu bequem ist. Menschen nutzen solche Systeme bereits, oft nachts, oft aus Scham, manchmal aus Mangel an anderen Anlaufstellen.

Er besuchte Seminare zu KI-Ethik, sprach mit Pflegekräften, Angehörigen und Entwicklerinnen. Seine ersten Tests mit Chatbots waren uneinheitlich. Manche Antworten waren freundlich und hohl, andere gaben hilfreiche Hinweise, wieder andere erkannten Verzweiflung zu spät. Roberts erstes Projekt war ein Diskussionskreis, der konkrete Fälle bewertet: Was darf automatisiert werden? Wann muss ein Mensch übernehmen? Welche Daten gehören niemals in ein Gesprächssystem?

Aktuelle Arbeit

Heute begleitet Robert Einrichtungen, bevor sie digitale Beratungsangebote einführen. Bei einem Chatbot für einsame Menschen fragte er nach dem Notfallplan: Wer reagiert, wenn ein Satz nach akuter Gefahr klingt? Das Team hatte eine technische Antwort, aber keinen menschlichen Dienstweg. Nach dem Workshop entstand ein Eskalationsplan mit klaren Zuständigkeiten.

Der Fortschritt liegt weniger in fertigen Regeln als in präziseren Fragen. Gemeinden und Pflegeheime sprechen über KI nicht nur als Bedrohung oder Rettung. Robert besteht trotzdem auf Grenzen: Ein System kann verfügbar sein. Es kann nicht versprechen, zu verstehen.

Persönlicher Rat

„Nicht alles, was antwortet, hört auch zu“, sagt Robert. Wer KI in verletzlichen Situationen einsetzt, sollte die Lücke zwischen Reaktion und Beziehung ernst nehmen. Genau dort muss die Verantwortung liegen.

Schlüsselfakten

Alter und Ort: 76, Salzburg.
Hintergrund: Ruhestand, Seelsorge, ethische Gesprächspraxis.
Einstieg in KI: Fallbasierter Diskussionskreis zu Chatbots in Beratung und Pflege.
Schwerpunkt heute: KI-Ethik in verletzlichen Alltagssituationen.
Typische Werkzeuge: Fallanalyse, Ethikdialoge, Eskalationspläne.

Werkstattnotiz

Robert notiert keine „Best Practices“, sondern Grenzsätze. Einer lautet: „Ich bin allein und weiß nicht weiter.“ An solchen Sätzen prüft er Systeme. Ein Chatbot reagierte einmal mit Atemübung und Kalenderlink. Beides war nicht falsch. Aber die wichtigste Frage fehlte: Wer kann jetzt erreichbar sein?