Thomas Heidemann, 63, ehemaliger Mechaniker und Trainer für kollaborative Robotik

Einleitung

Thomas Heidemann stand vor dem kollaborativen Roboter, legte ein Werkstück schräg auf die Ablage und wartete. Die Maschine stoppte. Neben ihm seufzte ein junger Ingenieur, weil der Testaufbau „unrealistisch“ sei. Thomas zeigte auf die Werkbank: „So liegt das jeden Freitag kurz vor Feierabend.“

In Essen trainiert Thomas heute Betriebe, die KI-gestützte Robotik in Montage und Qualitätsprüfung einführen. Er kommt aus vier Jahrzehnten Werkstattarbeit und hat wenig Geduld mit Präsentationen, in denen kein Staub vorkommt.

Geschichte des Weges in die KI

Als seine frühere Firma einen Cobot einführte, standen zwei Gruppen nebeneinander: Entwickler mit guten Modellen, Facharbeiter mit schlechtem Bauchgefühl. Das Management sprach von Entlastung, die Belegschaft hörte Arbeitsplatzabbau. Thomas begann, Fragen zu sammeln, bevor er Technik erklärte.

Er lernte Robotersteuerung, Sicherheitszonen und maschinelles Sehen. In seinem ersten Schulungsformat durften Arbeiter bewusst Fehler provozieren: falsches Licht, verdrehte Teile, halb verdeckte Markierungen. Das Kamerasystem verwechselte einmal einen Schatten mit einem Riss. Für Thomas war das kein peinlicher Aussetzer, sondern der Moment, in dem die Gruppe Vertrauen fasste. Die Maschine war prüfbar.

Aktuelle Arbeit

Heute begleitet Thomas Einführungen in Werkstätten und mittelständischen Betrieben. Er lässt Teams nicht nur Knöpfe drücken, sondern Fehlerbilder beschreiben: Was ist gefährlich, was ist nur unordentlich, was passiert im Schichtwechsel? Bei einer Qualitätsprüfung reduzierte sein Training Fehlalarme, weil die Kamera anders positioniert und die menschliche Endkontrolle klarer geregelt wurde.

Der Gewinn liegt in Akzeptanz und Sicherheit. Beschäftigte erleben sich nicht als Störfaktor, sondern als Fachleute, deren Erfahrungswissen in die Systeme gehört. Thomas bleibt nüchtern: Roboter können monotone Aufgaben übernehmen, aber sie verstehen keine Werkstattkultur. Die muss gestaltet werden.

Persönlicher Rat

„Teste die Maschine mit den Händen der Leute, die später damit arbeiten“, sagt Thomas. Wer nur im Vorführraum prüft, bekommt Vorführraum-Ergebnisse. Erst im echten Rhythmus einer Schicht zeigt sich, ob ein System hilft oder neue Umwege produziert.

Schlüsselfakten

Alter und Ort: 63, Essen.
Hintergrund: Mechanikerlaufbahn, späte Weiterbildung, Werkstatterfahrung.
Einstieg in KI: Sicherheitstrainings mit bewusst provozierten Roboterfehlern.
Schwerpunkt heute: kollaborative Robotik und Arbeitsschutz.
Typische Werkzeuge: Cobots, Computer Vision, Sicherheitsübungen.

Werkstattnotiz

Thomas fotografiert absichtlich schlechte Setups: blendendes Licht, schiefe Kanten, Handschuhe im Sichtfeld. Diese Bilder sind sein Gegenarchiv zu den sauberen Demos. Ein Modell nannte einmal eine ölverschmierte Oberfläche „defekt“, obwohl sie nur nach Schichtende aussah. Seitdem fragt Thomas bei jeder Einführung, wer die normale Unordnung definiert.